alte Männer: Drei auf Reisen

David Nicholls Drei auf Reisen

Schon seit einigen Jahren bin ich eine begeisterte Hörbuchkonsumentin. Begonnen hat es beim Putzen. Ich mag Putzen nicht. Also um Unklarheiten von vornherein hinwegzunehmen, ich lebe sehr gern in aufgeräumter, sauberer Umgebung. Aber der „Kick“ nach dem Putzen in eine ebensolche zu blicken, ist mir einfach nicht groß genug, um das Putzen selbst zu mögen. Eine Ablenkung musste her. Sich, während man über eine Klomuschel gebeugt sich fragt, wie da und da Verunreinigungen hinkommen, eine hübsche Geschichte anzuhören, erschien mir grenzgenial.
Und so ist es auch.
Einzig Staubsaugen ist wegen der Lautstärke ein wenig …naja, laut.
Nun habe ich über die Jahre ungefähr ALLE Alpenkrimis angehört, jedenfalls alles von Rita Falk, alles von Jean-Luc Bannalec , wobei ich mich bei dem nach der ersten, mit großer Begeisterung gehörten Geschichte über den französischen, in die Provinz versetzten Kommissar, ein wenig angeschmiert vorgekommen bin: Jean-Luc ist ein eigentlich Jörg Bong, ein Deutscher, noch dazu eine große Nummer aus dem Verlagswesen, der offenbar frankophil und genau wissend ist, was deutschsprachige Leser zu Hause brauchen, damit sie die grauen Tage bis zum nächsten Urlaub in Fronkreisch gut überstehen. Egal. Der Unterhaltungswert gleicht dieses ein wenig unelegante Detail wieder aus.
Es waren auch richtige Nieten darunter, und manches eignet sich einfach nicht zum Hören. Aber ganz zufällig ist mir David Nicholls dazwischengerutscht. Die Drei auf Reisen.

Ein Mann, knapp über 50 erzählt über den verzweifelten Versuch, aus seiner Frau, die ihn verlassen möchte und seinem Sohn, an dem er wenig erhellendes finden kann, eine Familie zu formen, die gerne miteinander eine große Europareise macht.

Wer Jonathan Frantzen mag, könnte auch von Nicholls nicht enttäuscht werden: Doug ist  Biochemiker und im echten Leben offenbar zu sehr von seinem Vater gedrillt, während Conny, eine verhinderte Künstlerin und eine Mutter, wie man sie heute vielfach antrifft, eine innige Beziehung zu Sohn Albie hat. Meine Kinder sind noch keine 17 und zudem Töchter. Aber ich habe mich so oft in Doug wieder gefunden. Es scheint so zu sein, dass auch ich wenig Herzenswärme vermittle – oft war ich schon dafür dankbar, dass die Mädchen einen Vater wie ihren Vater haben – denn für meine Verhältnisse erhebe ich zu oft die Stimme, bin zu versessen auf liegen gelassene Kleidungsstücke, offen gelassene Schranktüren, nicht gemachte Hausübungen und nicht verstandene Mathematikbeispiele. Ich habe mich sogar schon sagen hören, dass es eine Schande sei, wenn man das und das jetzt nicht aufesse, wenn gleichzeitig woanders die Kinder an Hunger stürben.

Douglas hat seinen Sohn in der Öffentlichkeit denunziert und darf ihm dann quer durch Südeuropa nachreisen um eine Entschuldigung anzubringen.

Das Recht auf Verzeihung.

Auf dieser „Reise in der Reise“ quasi trifft der nun eben schon allein reisende, weil auch Conny das Handtuch geworfen hat, Douglas eine frisch geschiedene Dänin namens Freya, die uns alle rettet: „Warum entschuldigen? Als Eltern darf man auch Dinge falsch machen und man hat das Recht darauf, dass einem verziehen wird!“

YEP! Freya you saved my life.

 

 

 

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