Ready for more: Alessandra Ferri

Zufällig bin ich über diesen Werbespot gestolpert. Und es hat mich in allen Sinnen so berührt, dass ich gar nicht anders konnte, als zu recherchieren:
Ich kannte Frau Ferri nicht.
Das ist nicht weiter verwunderlich. Mein Interesse an Ballett ist definitiv enden wollend.
Aber nicht mein Interesse an tollen Frauen.

Und natürlich ist Ferri eine solche. Mit 19 eine Primaballerina zu sein, ist nicht nur ein Mädchentraum, sondern auch Zeugnis von einer großen Persönlichkeit, Durchhaltevermögen, Arbeitseifer. Und es ist toll, wenn das honoriert wird.

Bin ich eine gut genug(e) Mutter?

Aber nach einer erfolgreichen Karriere in New York hatte Alessandra Ferri offenbar eine Krise. Sie wollte bei ihren Kindern daheim sein, sie wollte eine gute Mutter sein, nicht eine, die ihre Karriere in den Vordergrund stellt. Also verabschiedete sie sich mit – dem für BalletttänzerInnen eh schon beachtlichem Alter von – 44 Jahren von der Bühne.

Was folgte war eine unschöne Trennung von ihrem Lebenspartner und Vater ihrer Töchter und eine Alessandra Ferri, die immer depressiver wurde „es war, als hätte ich das Licht in mir ausgelöscht.“

Bis sie erkannte, dass ihr Leben Tanz bedeutet.

Dass sie Mutter IST – unabhängig davon ob sie zu Hause bei ihren Kindern die Hausaufgaben betreut.

Dass sie eine bessere Alessandra Ferri ist, wenn sie tanzt.

Dann begann sie wieder an sich zu arbeiten, und das war nicht leicht. Auch wenn man sein Leben lang getanzt hat, der Zahn der Zeit nagt. „Natürlich gibt es Einschränkungen, viele sind unüberwindbar – aber nicht alle!“ Ferri arbeitete hart. Und damit reiht sie sich ein unter den Frauen, die außergewöhnliche Leistungen auch jenseits der 20er Jahre erbrachten – und erbringen. Man denke nur an die Schwimmerin Dana Torres, die 40 war, als sie olympisches Silber erschwam. Aber auch an die viel weniger bekannte Ernestine Shepherd, die mit post 50 überhaupt erst begonnen hat, Sport zu machen und heute mit 77 eine der ältesten Bodybuilderinnen ist. Shepherd meinte: „Man hört auf Sport zu machen, weil man älter wird. Aber man wird alt, weil man aufhört Sport zu machen.“

Das innere Feuer

Tanzen auf Sport zu reduzieren, würde wohl reihenweise Tanzafficionados vom Stuhl reißen. Das ist in Wirklichkeit gar nicht wichtig, denn in Wirklichkeit geht es um´s „Feuer“.

Ein Feuer in sich. Sich begeistern zu lassen, bzw. sich selbst zu begeistern für eine Idee, für eine Sache, für sich selbst.
Und dann dafür zu arbeiten. Die Komfortzone zu verlassen. Bei vielen Anlässen „Nein“ zu sagen, weil es für das Ziel nicht passt. Fokussiert zu sein. Ängste zu überwinden. Und auch manchmal Schmerzen, Tränen. Aber trotzdem weiterzumachen.

Ferri sagt, sie kann heute nicht mehr so lange trainieren wie früher, sie muss sich mehr verwöhnen. Für sie bedeutet das u.a. Massagen und Pilates.

Mit über 50 hervorragende Leistungen zu erbringen ist möglich. Wenn man das will. Man muss es nicht. Keineswegs. Aber es ist möglich. Natürlich sagt Ferri, dass ihre Karriere vorbei ist. Natürlich. Alles was sie jetzt tanzt, ist Vergnügen. Es geht nicht mehr darum, Rollen und Häuser abzuhaken. Es geht um den Moment: „Ich habe nicht die Bühne oder den Applaus vermisst. Ich habe es vermisst, mich lebendig zu fühlen!“

Und genau für dieses Gefühl gibt es keine Altersbeschränkung. Es gibt aber wohl genug Menschen (Männer sind da nicht ausgenommen!), die sich selbst dieses Gefühl des Lebendigseins vielleicht sogar nie erlaubt haben, mit Sicherheit aber nicht, wenn sie „ein gesetztes Leben führen.“ Die Männer sind es dann gern gewesen, die in der Midlifecrisis eine Radikalwendung genommen haben: gerne jüngere Frauen, tolle Autos…Dinge, die sie sich nicht getraut haben. Mittlerweile ziehen die Frauen nach.
Nein, ich bin nicht der Meinung, dass man seine Familie hinschmeißen muss. Ich bin nämlich der Meinung, dass es – würden wir uns alle samt mehr trauen, unser inneres Feuer nicht ausgehen zu lassen – gar keine Midlifecrisis geben müsste.

Hier gibt es noch ein Interview mit Alessandra Ferri:

1 Kommentare

  1. Dein letzter Satz, sehr schön auf den Punkt gebracht. …eigentlich ist es doch so einfach, aber aufgrund unser Erziehung oder was auch immer beschränken wir uns ja gerne mal selbst, tut doch alles nicht not 🙂

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